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Milchwaerme/doc/01_energiemengen_thermodynamik.md
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Michael Stangl 0748b63a58 Doku dazu
2026-06-14 09:13:30 +02:00

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1 Energiemengen & Thermodynamik

Grundlagen-Zusammenfassung zur Wärmerückgewinnung aus der Milchkühlung. Referenzfall durchgängig: 1000 L Milch/Tag.


1.1 Wärmeinhalt der Milchkühlung

Milch fällt mit Eutertemperatur an und muss zur Haltbarmachung gekühlt werden. Die dabei entzogene Wärme ist die nutzbare Abwärme.

Größe Wert
Temperaturhub 37 °C → 4 °C (ΔT = 33 K)
Stoffannahme Milch ≈ Wasser (ρ = 1 kg/L, c = 4,186 kJ/kg·K)
Formel Q = m · c · ΔT

Ergebnis: Q = 1000 · 4,186 · 33 = 138.138 kJ ≈ 38,4 kWh/Tag

Skalierung: 1500 L → ~57,5 kWh/Tag. Die Abwärme fällt täglich ganzjährig an (~14.000 kWh/a).


1.2 Reinigungs-/Desinfektionswasser

Das Leitungssystem (~100 m, mehrere Pumpvorgänge für ~8 Melkplätze) muss mit heißem Wasser desinfiziert werden.

Größe Wert
Menge 200 L
Temperaturhub 50 °C → 100 °C (ΔT = 50 K)
Q 200 · 4,186 · 50 = 41.860 kJ ≈ 11,6 kWh

Weil der Tank durch die Milchabwärme bereits bei 50 °C startet, halbiert sich der Heizbedarf gegenüber Kaltwasser (10 °C → ~21 kWh). Die Milchabwärme deckt den Desinfektionsbedarf damit vollständig.

Noch nicht enthalten: Rohrleitungsverluste (je nach Dämmung +1030 %). Dafür wären Rohrdurchmesser und Dämmung nötig.


1.3 PV-Panel-Kühlung / PVT-Ertrag

Mit rückseitigen Wassertaschen (PVT) lässt sich die Abwärme der Module nutzen.

Energiebilanz Modul (Sommerspitze, ~1000 W/m² Einstrahlung):

  • ~1820 % Strom (~180200 W/m²)
  • ~800 W/m² Wärme, davon über die Frontseite ein großer Teil verloren
  • Unverglaster PVT, niedrige Vorlauftemperatur: ~400500 W/m² thermisch nutzbar

Monatlicher Wärmeertrag, 10 m², optimale Südneigung, Raum Augsburg:

Monat kWh Monat kWh
Jan 75 Jul 825
Feb 145 Aug 730
Mär 350 Sep 510
Apr 565 Okt 270
Mai 745 Nov 90
Jun 800 Dez 55

Summe ≈ 5.160 kWh/a thermisch (~516 kWh/m²·a, oberer realistischer Bereich bei ganzjähriger Abnahme) plus ~1.5001.800 kWh/a Strom.

Vorbehalt: Werte gelten nur bei kaltem Kühlwasser. Steigt die Vorlauftemperatur oder fehlt der Abnehmer, brechen die Sommerwerte ein.


1.4 Natriumacetat als Latentwärmespeicher (PCM)

Speichermechanismus

Im festen Zustand liegt Natriumacetat-Trihydrat (CH₃COONa·3H₂O) als geordnetes Kristallgitter mit eingebautem Kristallwasser vor. Beim Erwärmen auf ~58 °C bricht das Gitter auf das Salz „löst sich in seinem eigenen Kristallwasser". Die Energie geht in das Aufbrechen der Bindungen statt in Temperaturerhöhung → latente Wärme.

Der Schlüssel ist die Unterkühlbarkeit: Die Schmelze bleibt bis auf Raumtemperatur metastabil flüssig und hält die Energie nahezu verlustfrei. Erst ein Auslöser (Impfkristall, Erschütterung) startet die Kristallisation und gibt die Wärme schlagartig bei ~58 °C frei. Damit lässt sich der Speicher isolierungsfrei lagern und transportieren.

Energiedichte

Modus Beitrag Energiedichte
latent_only Phasenwechsel 264 kJ/kg 0,073 kWh/kg (~0,095 kWh/L)
latent_plus_hub + Überhitzung der Schmelze (z. B. auf 80 °C) 0,091 kWh/kg (~0,12 kWh/L)
+ Unterkühlung Feststoff bis ~40 °C nutzen ~0,10 kWh/kg (~0,13 kWh/L)

Stoffwerte: Dichte ~1,3 kg/L, c_flüssig ≈ 2,9 kJ/kg·K, c_fest ≈ 1,9 kJ/kg·K. Zum Vergleich Wasser (50 K Hub): nur ~0,058 kWh/L.

Kritischer Punkt: Temperaturniveau

Natriumacetat schmilzt bei 58 °C, die Milchabwärme fällt aber nur bei max. 37 °C an. Eine 37-°C-Quelle kann einen 58-°C-Speicher nicht direkt laden → es braucht eine Wärmepumpe zur Temperaturanhebung (siehe Dokument 2).